Schon im Januar bahnte sich die Katastrophe an: Preisverfall und Überkapazitäten hatten die Gruppe derart in die Krise stürzen lassen, dass der Schiffseigentümer - der französische Staatskonzern Alstom - drei Schiffe der Flotte beschlagnahmen ließ. «Festival» hatte nach dessen Angaben Außenstände von über 175 Millionen Euro. Rund 2000 Reisende mussten vorzeitig in die Heimat zurückgeflogen werden, Kundenabwanderung und erhebliche Umsatzeinbußen waren die Folge.
Bis vor wenigen Tagen gab es in Genua noch einen winzigen Hoffnungsschimmer: Der weltweit zweitgrößte Konzerns des Sektors, Royal Caribbean, hatte Interesse am Kauf von Festival bekundet. Dann jedoch kam ein Brief aus Miami, in dem die Gruppe mitteilte, sämtliche Verhandlungen über eine eventuelle Übernahme abbrechen zu wollen.
Als der Präsident der Gesellschaft, Umberto Ferraro, jetzt beim Gericht Konkurs anmeldete, beliefen sich die Festival-Schulden Medienberichten zufolge auf 320 Millionen Euro. Davon steht der Konzern allein den Banken gegenüber mit 220 Millionen Euro in der Kreide, 100 Millionen Euro werden Angestellten, Zulieferfirmen und Kunden geschuldet. «Wir haben es hier mit einem echten Drama zu tun», brachte es Paolo Odone, Präsident der Handelskammer in Genua, auf den Punkt.
Der Untergang des Konzerns reißt nicht nur Mitarbeiter und Partner mit sich in die Tiefe, sondern schädigt auch schwer das Ansehen der ligurischen Hafenmetropole. Schließlich versucht Genua derzeit als «Kulturhauptstadt Europas» sein Image wieder aufzupolieren und den Tourismus neu in Schwung zu bringen. Und schon Europas führende Kreuzfahrtreederei Costa Crociere - eine Tochter des Branchenriesen Carnival - verlegte kürzlich den Ausgangshafen für ihre zehn Ozeanriesen von Genua ins benachbarte Savona.
Dabei hatte die Stadt erst vor fünf Monaten ihre Führungsposition auf dem italienischen Kreuzfahrtmarkt gefeiert: Rund 700 000 Passagiere waren 2003 von Genua aus gestartet. In diesem Jahr rechnen Experten jetzt kaum noch mit der Hälfte.
Insgesamt beschäftigte «Festival» bisher allein in der Region Ligurien 3000 Menschen und arbeitete mit über 200 Betrieben zusammen. «Wir wissen jetzt schon mit Sicherheit, dass mindestens 15 Zulieferfirmen ebenfalls Konkurs anmelden werden», sagte Giovanni Pozzo, der Sprecher des Koordinierungsausschusses dieser Firmen. «Die Pleite des Unternehmens darf nicht die Angestellten treffen. Es müssen alle Maßnahmen ergriffen werden, um die Beschäftigung auf den sieben Festival-Schiffen zu garantieren», hieß es.
Unterdessen kommen die von Alstom gebauten Festival-Schiffe unter den Hammer. Die European Vision wurde bereits von der privaten MSC (Mediterranean Shipping Company) aufgekauft. Die startet immerhin mit vier ihrer sechs Schiffe noch von Genua aus. Und taufte den Luxus-Dampfer prompt um: Aus der verschwundenen Europäischen Vision wurde - kurz und gut - die MSC Sinfonia.
© dpa - Meldung vom 01.06.